Als ich vor ein paar Jahren das Buch von Joseph Kanon „In den Ruinen von Berlin“ gelesen hatte dachte ich sicher nicht daran, das dies ein Stoff für eine Verfilmung sein könnte. Schon gar nicht das Interesse eines Regisseurs wie Steven Soderbergh wecken kann. Seid dem Ende der Sowjetunion sind keine Filme über den kalten Krieg mehr angesagt gewesen. Jetzt taucht mit „The good German“ doch einer auf. In Josephs Kanons Buch ist alles enthalten was einen guten Film ausmachen kann: Intrigen, geheimnisvolle Personen und Situationen und natürlich eine Liebesgeschichte. Die Umsetzung den ganzen Film konsequent in schwarz weiß zu drehen ist künstlerisch gut gelungen, auch die eingefügten Originalaufnahmen betten die Handlung glaubhaft ein. Die schauspielerischen Leistungen sind professionell, vor allem Cate Blanchett beweist wieder einmal welche Bandbreite von Personen sie darstellen kann. Hier spielt sie eine Femme Fatale die George Clooney das Leben schwer macht. War sie doch seine Geliebte aus Vorkriegszeiten
Steven Soderbergh sagte in der Pressekonferenz, dass es ihm großen Spaß gemacht hat, diesen Film in Anlehnung an die in den vierziger Jahren übliche Produktionsweise herzustellen. Leider wirkt der Film wie die Übung eines Absolventen einer Filmhochschule. Manche Szenen erinnern doch zu sehr an große Filme aus den vierziger Jahren z. B. Casablanca. Doch dem Gesamtwerk fehlt irgendwie die „Butter auf dem Brot“. Der Film wurde in den USA nicht gut aufgenommen. In Los Angeles hat er schlechte Kritiken erhalten. Steven Soderbergh sagte in der Pressekonferenz, das er davon ausging das Warner Brothers ihnen ein Publikum beschaffen sollte. Er beschrieb die Handlung als sehr amerikanisch, aber die Moral der Geschichte ist europäisch. Ihn interessierte die Nachkriegszeit. Er wusste nichts über die menschliche Kriegsbeute, die sich die Russen genauso wie die Amerikaner als Krieggewinner für ihre Interessen sichern wollten. Erst nachdem er das Buch von Joseph Kanon gelesen hatte, wurde ihm diese Situation bewusst und er sah darin ein Thema, das sich lohnte zu verfilmen. Diese Aussage klingt doch reichlich naiv und es stellt sich die Frage, ob eigentlich diese Thematik in den USA ausreichend in den Schulen gelehrt wird. Der Bau von Raketen und der Start des Weltraumprogramms sind schließlich jedem Amerikaner geläufig und viele dieser entwickelnden Wissenschaftlern waren Deutsche. Vielleicht ist die Kriegsbeute „Deutscher Wissenschaftler“ ein Grund,€ warum der Film in den USA floppte. Diese Wissenschaftler hatten bekannter weise im dritten Reich keine weiße Weste, konnten aber in den USA einen neuen Anfang mit „Persilschein“ anfangen, Hauptsache die Wissenschaft wurde in den Dienst des Staates gestellt. Schließlich wollte man sich vor den Russen die Kenntnisse des Raketenbaus sichern. Somit wurde doch nicht jeder Deutsche zum Nazi, also ein „Good German.“