Posted by Carsten Giese in
Wettbewerb
Thursday, February 15. 2007
So heißt der Wettbewerbsbeitrag von Ariel Otter. Dies ist der zweite Spielfilm des argentinischen Regisseurs. 2001 debütierte Otter mit „Solo Por Hoy“. Julio Chavez spielt Juan Desouza, einen 46jährigen Geschäftsmann, der sich beruflich auf einer Bustour in das Landesinnere befindet. Als der Reisebus am Ziel ankommt stellt Juan fest, dass sein Sitznachbar tot ist. Er beschließt die Identität des Toten anzunehmen, um so aus seinem Leben auszubrechen. Er beginnt vorsichtig die Möglichkeiten der neuen Existenz als Doctor Salazar zu erforschen. So besucht er die Beerdigung von Salazar und beginnt eine Affäre mit einer Besucherin der Totenfeier. Vielleicht ist sie die Witwe des Anderen. So begleitet der Zuschauer den Protagonisten auf der Suche nach dem Sinn seiner Existenz.
Die Identitätskrise erzählt Otter in langen Einstellungen. Man sieht oft Großaufnahmen des Hauptdarstellers Julio Chavez. Seine Silhouette vor der düsteren und kargen Landschaft des argentinischen Graslandes. Es gibt kaum Dialoge. Die Tonspur ist erfüllt von den Geräuschen der dunklen Landschaft. Bei den ziellosen Wanderungen der Hauptfigur hört man nur deren Schritte. So ist der ganze Film reduziert auf das Beobachten der Hauptperson und deren nächster Umgebung. Ein wiederkehrendes Motiv ist die Detailaufnahme der Körper. Oft geht der Hauptcharakter lange Straßen entlang oder sitzt stumm im Zwielicht von Bars oder Hotellobbies. Der Film zeigt den Versuch eines Mannes in der Mitte des Lebens einen Neuanfang zu wagen. Ariel Otter visualisiert den inneren Konflikt von Juan durch eine strenge Fokussierung auf Julio Chavez. Der Zuschauer hört das Seufzen und schwere Atmen während die Leinwand vom Gesicht des Hauptdarstellers erfüllt wird. Doch es passiert zu wenig, als dass wir die Motivation für diesen Ausbruchsversuch verstehen können. Durch minutenlange Szenen, in denen uns Chavez anblickt oder die Kamera starr das Interieur einer Bar, eine taghelle Straße oder die Finsternis einer Fernstraße aufnimmt, sollen Mimik und Außenwelt mit Symbolik versehen werden, die sie nicht haben. Der Film ist eher der Versuch von Otter aus einer simplen Grundidee eine philosophische Abhandlung über den Sinn unserer Existenz zu machen. Die angestrebte Tiefgründigkeit der Geschichte ist nicht vorhanden.